Das Unsichtbare ist politisch

Radikale Inklusion. Widerstand gegen die Norm. Antirassistische Strategien. Am 12. und 13. November ging es in dem zweitägigen Forum FEMINIST PERSPECTIVES im Stadtkino um die Sichtbarkeit und die Unsichtbarkeit vor und hinter der Kamera: Wer steht (nicht) im Fokus und warum?

Eine Veranstaltung von dieRegisseur*innen und FC Gloria – Frauen Film Netzwerk.
In Kooperation mit dem Stadtkino, unterstützt von Filmfonds Wien, BMKÖS Film, VDFS, dieProduzent*innen, The Golden Pixel Cooperative, dok.at

Barrierefreiheit: Barrierefreier Zugang, Barrierefreie Toilette, Filme mit Untertiteln, Induktive Höranlage, keine Gebärdensprachdolmetschung


PROGRAMM

SONNTAG, 12.November 

12.30 Uhr | Matineé
GENDERNAUTS | R: Monika Treut | DE, USA 1998 | 86 min | OmU | Trailer
GENDERNAUTS zeigt das intime Portrait einer Community von Transpersonen, die sich in den 90’er Jahren in der Künstler*innen-Szene von San Francisco zusammengefunden hat. 


15.00 Uhr | Eröffnung FEMINIST PERSPECTIVES
Alex Jürgen, Intersex-Aktivist*, mit einer persönlichen Einführung zu Monika Treut und ihrem Werk.  

FILM | GENDERATION|  R: Monika Treut | DE 2021 | 88 min | OmU |
Zwanzig Jahre nach GENDERNAUTS trifft die Filmemacherin für GENDERATION ihre Protagonist*innen wieder.  



17.00 Uhr | PANEL | BODY POLITICS | Künstlerischer Widerstand gegen die Norm | Monika Treut im Gespräch mit Ruth Noack
Im Gespräch mit der Kuratorin und Autorin Ruth Noack zieht Monika Treut durch ihr filmisches Schaffen und thematisiert die Repräsentation von Menschen abseits des Mainstreams. Welche Haltung nimmt die Regisseurin in ihren Filmen ein und welche filmische Sprache wählt sie dafür? Im offenen Austausch mit dem Publikum werden Tabus der letzten dreißig Jahre ausgelotet und in den Kontext der Sichtbarkeit von Trans- und Interpersonen in Filmen und künstlerischen wie medialen Darstellungen gesetzt.


19.00 bis 20.00 Uhr | LESEN, ESSEN, VERNETZEN
Essen & Trinken im Ludwig und Adele 

O BOOKS begleitet beide Tage mit einem Büchertisch im FOYER des Stadtkinos: Literatur zum Thema Body Politics, Antirassismus und filmische Repräsentation abseits des Mainstreams. 

20.00 Uhr | FILM | C-TV (Wenn ich Dir sage, ich habe Dich gern …) | R: Eva Egermann, Cordula Thym | AT 2023 | 30 min | OV |
In enger Zusammenarbeit mit den Protagonist*innen zeigen die Regisseurinnen von C-TV wie inklusives Filmemachen aussehen kann. Humorvoll und poetisch experimentieren die Regisseurinnen mit Form und Struktur und schaffen eine Welt, in der Inklusion, Teilhabe und Sichtbarkeit radikal umgesetzt wird. Dafür erhielt C-TV den Diagonale-Preis für Innovatives Kino 2023. 

Direkt im Anschluss an den Film
20.30 Uhr
| PANEL | BODY POLITICS | Über radikale Inklusion im Film und gesellschaftliche Teilhabe| Die Regisseurinnen Eva Egermann und Cordula Thym und eine Protagonistin von C-TV, Iris Kopera (Peerberaterin im Selbstvertretungszentrum für Menschen mit Lernschwierigkeiten), diskutieren über emanzipatorische Repräsentationsweisen von Menschen mit Behinderungen und queeren Identitäten in Film und Fernsehen.  
Warum funktioniert C-TV als Gegenentwurf so gut und wie kann radikale Inklusion auf breiter Ebene in Medien gelingen? 
Moderiert wird das Panel von YURIA KNOLL. Sie ist eine von wenigen Schauspieler*innen mit Behinderung im deutschsprachigen Raum und Tänzerin; sie benutzt einen Rollstuhl.   


MONTAG, 13.November  


16.30 Uhr | Eröffnung TAG 2 | FILM | EDELWEISS | R: Anna Gaberscik | AT 2023 | 90 min | OV 

„EDELWEISS ist ein performativer Dokumentarfilm über die oft erschütternde Realität von People of Color in Österreich und eine offene Darstellung der Perspektiven vieler People of Color, die unterschiedliche Verbindungen zu Österreich haben. EDELWEISS. ist ein kritischer Liebesbrief an ein Land, das ein besserer Ort für diejenigen werden muss, die es seit Jahren zu einem besseren Ort machen.“  (Produktionsstatement von Through our Eyes und Triangle Studio) 

Direkt im Anschluss an den Film
18 Uhr PANEL | BODY POLITICS | Über dekoloniale und antirassistische Strategien vor und hinter der Kamera. 

Ein Gespräch über rassistische Ausgrenzungserfahrungen in der Filmbranche speziell in Österreich und in Deutschland. In einem offenen Austausch mit dem Publikum im Stadtkino geht es darum, weiße, patriarchalische und heteronormative Narrative und Diskurse auf jede erdenkliche Weise zu hinterfragen. 

Am Podium:  
Anna Gaberscik | Antirassismus Beraterin, Performerin, Autorin, Regisseurin und Kulturschaffende  
Lara-Sophie Milagro | Schauspielerin, Regisseurin, Autorin 
Wero Rodowicz  | Filmemacherin und Gründerin der virtuellen Gemeinschaft „Let’s Plant Stories“, die sich zum Ziel gesetzt hat, unterrepräsentierte Talente mit Produktionen in Film, Fernsehen und anderen kreativen Branchen zusammenzubringen und sich für eine sicherere und integrativere Branche einzusetzen. 


AB 20.20 Uhr | CLUB U am Karlsplatz | GRÜNDUNGSPARTY von dieRegisseur*innen | Tanzen mit DJanes von Eklextasy 


Feminist Perspectives auf der Diagonale `23

SAMSTAG, 25. März

16:00 bis 18:30, Grand Hôtel Wiesler (Salon Frühling)

Eintritt frei


Eine Veranstaltung von FC Gloria – Frauen Vernetzung Film und Die Regisseur*nnen– Verein solidarischer Filmemacher*innen

in Kooperation mit Gewächshaus , Diagonale – Festival des österreichischen Films und dem Stadtkino



PANEL 1

Wo stehen wir 9 Monate nach Beginn der #MeToo-Welle in der österreichischen Filmbranche?

Die Regisseurin Elisabeth Scharang im offenen Austausch mit Meike Lauggas (Anlauf- und Beratungsstelle #we_do!) und dem Publikum.


PANEL 2

Wie kann eine feministische Filmpraxis aussehen? Welche Erzählungen, Perspektiven und Erfahrungen fehlen?

Die Regisseurin Weina Zhao im Gespräch mit Katharina Mückstein und Protagonist*innen aus deren Dokumentarfilm FEMINISM WTF: Maisha Auma, Faris Cuchi Gezahegn und Denice Bourbon. Am Vorabend dieses Panels feiert der Film FEMINISM WTF von Katharina Mückstein Österreichpremiere auf der Diagonale.

DRINKS & TALK
| Am Samstag ab 20.30 Uhr | DIE SPEIS am LEND  https://www.speisamlend.at/ 

OPEN SPACE für Filmemacherinnen* zum Abschluss der Feminist Perspectives. Vorbeikommen & hängenbleiben



DONNERSTAG, 23.März

ab 21 Uhr im p.p.c.

Eintritt frei 



DANCING | PARTY mit Live Performance von KDM Königin der Macht

Eine Kooperation von Gewächshaus mit dieRegisseur*innen und FC Gloria - Frauen* Vernetzung Film 

Feminist Perspectives at Stadtkino Wien, November '22

Sunday 20th November 2022
 
PANEL I
3pm - 5pm
A NEW FEMINIST GRAMMAR IN FILM I
Feminist practices and Gaze Theory
 
GUESTS
Céline Sciamma (“Portrait of a Lady on Fire”, “Girlhood”, “Petite Maman”) Director & Screenwriter, FR
Christine A. Maier (“Grbavica”, “Quo Vadis, Aida”, “Licht”, “Itty Bitty Titty Committee”) Cinematographer, AT/DE
So Mayer (“Political Animals: The New Feminist Cinema”, “The Cinema of Sally Potter”) Author & Feminist Film Activist (Club des Femmes), UK

What kind of films do we want to make? Which cinematic language do we want to use? Which codes do we need to develop, to create a feminist perspective of the people and worlds that inhabit our films? What does shot design tell us about the narrator?  Which traits do we attribute to our characters? Films are conceived in collaboration and the languages used by all involved are embedded into the narrative. This panel will hence be presented from three different perspectives: Directing, Cinematography and Film Theory. The discussion will be held in English. An open discussion held in english. 
 
Welcome: Laura Nasmyth (dieRegisseur*nnen) & Marlies Pöschl (FC Gloria, The Golden Pixel Cooperative) Audience Liaison: Elisabeth Scharang & Nora Friedel
 
FILM PROGRAM
 
FILM 1
6.30pm – 8.15pm
Nina Menkes / Brainwashed: Sex-Camera-Power (2022) US, 107min
20.15pm - 9pm: Nina Menkes live talk via Zoom with Wilbirg Brainin-Donnenberg (FC Gloria)
Tickets  https://cine.ntry.at/s/13293250

Based on director Nina Menkes's cinematic presentation, ‘Sex and Power, the Visual Language of Cinema’, uses film clips by A-list directors from 1896 through to the present, to show how sexist shot design contributes to a pervasive environment of sexual harassment and assault, as well as employment discrimination against women, especially in the film industry.

FILM 2
9.30pm
Céline Sciamma / Petite Maman (2021) FR, 72min. Followed by a Q&A with Céline Sciamma.

Céline Sciamma develops a language in her latest film that blurs time and dissolves generational divides. Centred around eight year old Nelly’s perspective, who has just lost her grandmother and is helping her parents clean out her mother's childhood home. She explores the house and the surrounding woods. One day she meets a girl her same age building a treehouse.

Monday, 21st November 2022
 
PANEL II 
5.30 - 7pm
A NEW FEMINIST GRAMMAR IN FILM II
Queer film aesthetics. Identity and Representation.

GUESTS
Daniel Sea (“The L Word”, “Short Bus”, “The Dead and the Living”) - Actor & Conceptual Artist, USA
Elene Naveriani  (“Wet Sand”, “I am truly a drop of sun on earth”, “Red Ants Bite”) - Director & Screenwriter, GE
Andrea Braidt - Film- & Media Theory, research emphasis on Gender/Queer Film, AT

How does perspectivation construct gender? How can we develop queer cinematic language that refrains from stereotyping and the production of essentialist content. How can directors develop ethical approaches in dealing with marginalised communities? Three experts from the perspectives of Acting, Directing and Film Theory will discuss methods to analyse the relationship between queerness, ethics and representation. The discussion will be held in English. Tickets  https://cine.ntry.at/s/13828894



FILM
7.30pm
Elene Naveriani / Wet Sand (2021) GE, 115min
 
„Wet Sand“ develops a grammar to shine a light on denial and silencing. A love story, that was not allowed to exist. A decade long secret relationship between two men in a Georgian coastal town, triggers new relationships and shatters the silence. 

9.30pm GET TOGETHER💥



TICKETS  

https://stadtkinowien.at/news/female-perspectives2022/

Female Perspectives auf der Diagonale '22

Eine Nachschau


Der Andrang war groß und das Interesse, an einem aktiven Austausch und einer Diskussion noch größer:

nachdem die Dokumentarfilmregisseurin Isa Willinger mit ihrer Arbeitsthese, dass Frauen härter Filme machen, über die Arbeit an ihrem Dokumentarfilm „No Mercy. The Female Gaze“ erzählt hat, gab Marie Kreutzer Einblicke in ihren aktuellen Film, der noch in Postproduktion ist. In „Corsage“ geht es um eine mächtige Frau und die Mechanismen, die ihr das Wort verbieten und sie als älter werdende Frau in die Unsichtbarkeit drängen wollen. 

Das erstaunliche an diesem spannenden Panel, moderiert von Djamila Grandits, war, dass sich viele in dem voll besetzen Salon Frühling bewußt wurden: Wir haben die Diskussion über eine feministische Filmsprache und die Frage, welche Filme wollen wir machen und sehen und aus welcher Perspektive wollen wir sie erzählen, noch selten gemeinsam und öffentlich besprochen. Deshalb war das spürbar erst ein Anreißen des Themas.


Im zweiten Panel moderiert von Elisabeth Scharang kam dann alles anders als geplant: nach sieben Minuten schon hoben die ersten im Publikum die Hände. Die Diskussion wurde geöffnet und das hat sich bis zum Schluß durchgezogen. Wer darf was in einem Film spielen? Ausschließend, einschließend - wo wollen wir mit einer Debatte über eine diverse Filmlandschaft hin? Marie Noel, Autorin und Schauspielerin, beeindruckte durch klare Worte über die oft vorgeschobene Beschäftigung von Produktionsfirmen mit dem Thema Diversität: als Sensitivity Reader bekommt sie oft eine Woche vor Drehbeginn ein Drehbuch, um den Stoff auf zb Rassismus & Sexismus zu checken. „Dabei weiß ich, es ist meist egal, was ich sage, gedreht wird ohnedies.“ Salma Abdalla vom Weltvertrieb Autlook brach „schweren Herzens“ eine Lanze für die Streamingdienste, weil dort im Vergleich zu den meisten TV Sendern das Bewusstsein für Diversität und Gleichstellung viel weiter sei, der Produzent Frank Buchs , der ua für Sky Deutschland gearbeitet hat, bestätigt das. Daraufhin begann die Diskussion mit dem Publikum über Schein und Sein: was wird behauptet und was erleben wir in unserem Arbeitsalltag. 


Am Ende luden #dieregisseur*nnen zu einem Glas Wein ein und viele sind noch geblieben. Es war einfach , miteinander ins Gespräch zu kommen, es wurde einander vorgestellt, weitergereicht, gelacht, Contra gegeben und getrunken. Viele haben einander neu kennengelernt und Pläne wurden geschmiedet. Klar war jedenfalls: Wir wollen einen offen Austausch untereinander - und wir wollen davon mehr.- 

Audio Aufzeichnung Diagonale '22 zum Nachhören